Zur Familientradition des Verlags

Als Markus Hänsel-Hohenhausen 1987 seinen wissenschaftlichen Verlag in den Buchmarkt einführte, griff er auf eine lange Tradition seiner in vielen Zweigen einstens sehr verbreiteten Familie zurück, in der Publizistik, Literatur und das Verlagswesen eine wichtige Rolle spielen.

Der früheste Vertreter der Familie, der als Publizist in Erscheinung trat, war der Historiker Joseph Sylvius von Hohenhausen und Hochhausen (1743-1822). Er lebte als preußischer Geheimrat in Herford in Westfalen und war dem breiten Publikum durch eine Debatte bekannt geworden, die er mit Friedrich II. von Preußen geführt hatte und die Bestandteil der Hygienikgeschichte des 18. Jahrhunderts geworden ist (über die Frage der gesundheitlich schädlichen Folgen des Hutabnehmens auf der Straße). Joseph Sylvius verfaßte im Auftrag Maria Theresias das Standardwerk "Die Alterthümer Daciens in dem heutigen Siebenbürgen", das die Kaiserin 1775 in Wien bei Trattner drucken ließ. Er veröffentlichte zahlreiche historische, aber auch zeitpolitische Schriften, darunter in der Zeit der napoleonischen Umbrüche eine beachtete Philippika über "Deutschlands Wohlfarth" (1805).

Die wohl wichtigste Publizistin und Literaturagentin der Familie war Elise von Hohenhausen, geb. von Ochs - Heinrich Heine schrieb, dies sei ein Irrtum, er, der Mann (Leopold Hohenhausen) sei der geborene Ochs. Elise (1789-1854) entdeckte den jungen Kaufmannsgehilfen Heinrich Heine, als sie während der napoleonischen Kontinentalsperre in Hamburg weilte, um an die Neuerscheinungen der führenden englischen Schriftsteller Lord Byron und Sir Walter Scott zu gelangen und diese für das deutsche Publikum zu übersetzen.

Ihre Übersetzungen der historischen Romane Walter Scotts waren mustergültig und schrieben Rezeptionsgeschichte. Sie war selbst geachtete Dichterin in der Tradi-tion Matthissons und Mitherausgeberin einer verbreiteten Literatur-zeitschrift und führte den jungen Heine in Berlin in den Salon der Rahel Varnhagen ein. Damit ebnete sie ihm Wege zu seinem späteren Erfolg. An den Erfolg ihres eigenen Salons in Berlin (1820-1824), in dem fast alle literarischen Größen der Zeit verkehrten, wie Chamisso, Pückler-Muskau, Fouqué, Fanny Lewald, aber auch Kunstmaler und Komponisten wie Felix Mendelssohn-Bartholdy, knüpfte 50 Jahre später eine Tochter an. Elise Rüdiger von Hohenhausen (1812-1899) war die junge Freundin der alternden Annette von Droste-Hülshoff gewesen, deren miteinander gewechselte intime Briefe jüngst erstmals vollständig als dtv-Taschenbuch publiziert wurden.

Elise überlebte die Freundin um ein halbes Jahrhundert. Sie nutzte die Zeit und ihren eigenen Berliner Salon, der in der Gründerzeit zwar nicht mehr die Strahlkraft des mütterlichen Zirkels besaß, aber in dem doch Publizisten vom Range eines Leopold von Ranke verkehrten, um das Leben und das Werk der großen westfälischen Dichterin bekanntzumachen. Alle Droste-Publikationen in den bedeutenden Publikumsorganen des 19. Jahrhunderts (z.B. in der "Gartenlaube", in "Westermanns Monatsheften") gehen direkt oder indirekt auf Elise Rüdiger von Hohenhausen zurück. Sie selbst fand als Schriftstellerin durch ihre Beschreibungen des Lebens der Droste zum Genre der historischen Biographie und veröffentlichte Bücher wie "Berühmte Liebespaare", die zwischen 1880 und 1935 sehr verbreitet waren. Die positive Darstellung der Juden Heine und Lewald löste 1935 ein Dekret Heinrich Goebbels' aus, das die Bücher von Elise Rüdiger von Hohenhausen der Verbrennung zuführte.